Macht eine Klimaanlage krank? Fakten und Schutzmaßnahmen

Erkältung, Kopfschmerzen, verspannter Nacken: Die Liste dessen, was man einer Klimaanlage zuschreibt, ist lang. Tatsächlich entstehen die Beschwerden meist an vier Stellen, nämlich bei Luftfeuchtigkeit, Zugluft, Temperaturunterschied und Hygiene im Gerät. Jede dieser Stellen lässt sich beeinflussen. Ärztliche Beratung ersetzt dieser Beitrag nicht.

Welche Beschwerden Nutzer melden

Trockene Augen und gereizte Schleimhäute stehen an erster Stelle. Dazu kommen Nacken- und Schulterverspannungen, Kopfschmerzen und das Gefühl, öfter krank zu werden. Hinter jedem Symptom steckt eine andere Ursache. Wer sie kennt, kann gezielt gegensteuern, statt das Gerät pauschal verantwortlich zu machen. Einige Ursachen gelten sogar für jeden gekühlten Raum, unabhängig von der Bauart.

Eine Ursachensuche in drei Schritten

Beschwerden notiert man am besten in einem Kurztagebuch, mit Uhrzeit, Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Danach lässt sich genau eine Variable ändern, zum Beispiel der Luftstrom oder die Zieltemperatur. Verschwinden die Symptome nach der Änderung, war die Einstellung die Ursache. Bleiben sie bestehen, spricht das eher für andere Auslöser, etwa Allergien oder Infekte. Dann ist der Arztbesuch der nächste Schritt.

Trockene Luft und Schleimhäute

Beim Kühlen kondensiert Feuchtigkeit aus der Raumluft, und die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Als angenehm gelten für Wohnräume und Schlafzimmer 40 bis 60 Prozent. Ein Hygrometer für wenige Euro zeigt, wo der eigene Raum liegt. Rutscht der Wert darunter, trocknen die Schleimhäute aus und wehren Erreger schlechter ab. Erkältungen entstehen dennoch durch Viren und nicht durch Kälte. Austrocknende Schleimhäute erleichtern ihnen höchstens den Einstieg. Bildschirmarbeit verstärkt trockene Augen zusätzlich, weil man dabei seltener blinzelt.

Gegensteuern lässt sich mit einem Luftbefeuchter, mit feuchten Tüchern über dem Wäscheständer oder mit kürzeren Laufzeiten. Zimmerpflanzen verdunsten ebenfalls Wasser, ihr Beitrag fällt allerdings klein aus.

Zugluft und Verspannungen

Zugluft kühlt einzelne Körperpartien stärker aus als den Rest. Nacken und Schultern reagieren am empfindlichsten, weshalb dort zuerst Verspannungen auftreten. Zur Decke oder zur Wand gerichtete Lamellen mischen die Luft, statt den Körper anzublasen. Schreibtisch und Bett gehören nicht in den direkten Luftstrom. Laut Sanier.de bringen mehrere Studien aus den USA und Kanada Kopfschmerzen mit Temperatursprüngen von etwa 5 Grad in Verbindung.

Temperaturunterschied und Kreislauf

Zwischen draußen und drinnen sollten nach Empfehlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung höchstens 6 Grad liegen (DGUV Information 215-520). Rechnerisch ergeben 35 Grad draußen damit 29 Grad im Raum. Viele Menschen empfinden das als zu warm und stellen 24 bis 26 Grad ein. Je größer der Sprung, desto stärker wird der Kreislauf beim Betreten und Verlassen des Raums beansprucht. Eine Übergangszone, etwa ein Flur ohne Kühlung, mildert den Wechsel. Wenige Minuten Gewöhnung am Eingang helfen ebenfalls.

Legionellen und das tatsächliche Risiko

Legionellen vermehren sich in warmem, stehendem Wasser. Nach einer Information des Landes Niedersachsen gingen schwere Ausbrüche auf Verdunstungskühlanlagen zurück, wie sie in Kaufhäusern, Krankenhäusern, Hotels und Büros stehen. Gefährlich ist dabei die Abluft, die ins Freie gelangt, nicht die gekühlte Raumluft. Der Ausbruch in Warstein 2013 forderte zwei Todesopfer bei mehr als 150 Erkrankten. Seit 2017 verpflichtet die 42. BImSchV Betreiber solcher Anlagen zu regelmäßigen Laboruntersuchungen. Kleine Haushaltsgeräte gelten dagegen wegen ihrer Funktionsweise als unbedenklich.

Vorsichtiger sollte man bei Geräten mit Wassertank sein, also bei Luftkühlern, die über Verdunstung arbeiten. Dort steht Wasser im Gerät, das man häufig wechseln und dessen Tank man reinigen sollte. Mehr zu diesen Geräten steht in der Übersicht zu Klimageräten ohne Abluftschlauch.

Filter und Feuchtigkeit im Gerät

Im Inneren jedes Geräts sammeln sich Staub und, solange es feucht bleibt, Pilze und Bakterien. Filter lassen sich bei mobilen Geräten selbst reinigen, bei Split-Anlagen übernimmt meist ein Fachbetrieb. Schritt für Schritt führt die Anleitung zur Reinigung durch die Pflege. Gerüche gelten als Warnzeichen. Riecht es muffig, ist das Gerät ein Fall für die Reinigung, bevor es weiterläuft.

Schlafen mit Klimaanlage

Für Schlafzimmer nennt Sanier.de als Richtwert 16 bis 18 Grad, was im Hochsommer kaum erreichbar ist. Kompromiss: Raum vor dem Zubettgehen herunterkühlen, danach übernimmt ein Timer oder der Eco-Modus. Empfindliche Schläfer richten den Luftstrom vom Bett weg. Geschlossene Fenster lassen über die Nacht die CO2-Konzentration steigen, deshalb bleibt kurzes Stoßlüften vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen sinnvoll. Fenster bleiben tagsüber zu und öffnen sich erst, wenn die Luft draußen abgekühlt ist.

Wer besonders aufpassen sollte

Allergiker profitieren bei geschlossenen Fenstern von weniger Pollenflug, verlieren den Vorteil aber mit einem verschmutzten Filter. Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren auf große Temperaturunterschiede empfindlicher. Welche Einstellung passt, klärt im Zweifel der Hausarzt. Bei Säuglingen übernimmt diese Frage der Kinderarzt.

Fragen zu Klimaanlage und Gesundheit

Ab wann muss der Arbeitgeber im Büro etwas gegen Hitze tun?

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 arbeitet mit Stufen. Bis 25 Grad sind keine weiteren Maßnahmen nötig. Von 26 bis 30 Grad soll der Arbeitgeber entlasten, etwa durch Lüften am frühen Morgen oder flexible Arbeitszeiten. Über 30 Grad muss er zusätzliche Maßnahmen treffen, und ab 35 Grad gilt der Raum ohne technische und organisatorische Vorkehrungen nicht mehr als geeigneter Arbeitsplatz. Anspruch auf eine Klimaanlage besteht daraus nicht, denn welche Maßnahme er wählt, entscheidet der Arbeitgeber selbst.

Gilt die 6-Grad-Empfehlung auch im Auto?

Ja, die DGUV nennt sie ausdrücklich auch für Fahrzeuge. Praktisch heißt das: erst lüften, dann die Anlage hochfahren und das Gebläse nicht auf den Körper richten.

Wann sollte ich mit Beschwerden zum Arzt?

Halten Husten, Halsschmerzen oder Kopfschmerzen länger als ein paar Tage an, ist ein Arztbesuch sinnvoll. Fieber und Atemnot gehören sofort abgeklärt. Unabhängig davon, ob die Klimaanlage die Ursache ist, zählen die Symptome.

Quellen: Sanier.de zur Gesundheit bei Klimaanlagen, Land Niedersachsen zu Verdunstungskühlanlagen und Verkehrsrundschau zur ASR A3.5.